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Bearbeitet & klinisch überprüft vom THE BALANCE Team
Fakten geprüft

Wenn seelische Belastungen Beschwerden hervorrufen, welche die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken, dann ist wahrscheinlich die beste Lösung ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Klinik für Traumatherapie. Besonders im Falle einer komplexen, posttraumatischen Belastungsstörung sollte der stationäre Aufenthalt in einer Traumaklinik geplant werden. 

Wir verraten alles Wichtige über die beste Traumaklinik Deutschland und welche Behandlungskonzepte dort angewandt werden. 

Traumatische Erlebnisse sind psychische Ausnahmesituationen, die extrem schreckliche oder bedrohliche sind und das Leben oder die Unversehrtheit einer Person bedrohen. Das Ereignis kann sich dabei auf die eigene Person oder auf Andere beziehen. Wir unterscheiden zwischen zwei Arten von Traumata: Unfälle/Naturkatastrophen  und menschengemachte Traumata, wie z. B. Raubüberfall, Entführung, Vergewaltigung usw. Die menschengemachten Traumata führen laut medizinischer Statistik eher zu langwierigen Traumafolgestörungen. 

Nach einem Trauma können verschiedene Trauma-Störungen auftreten, die einer Behandlung bedürfen: 

  • Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS): Sie treten ca. 6 Monate nach dem traumatischen Erlebnis ein. Die Gedächtnisverarbeitung wurde durch das Trauma verändert und die betroffene Person leidet an Flashbacks sowie Veränderungen im Realitätserleben. Gefühle, wie z. B. intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Schrecken werden immer wieder erlebt. Symptome können Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Teilamnesie und Vermeidungsverhalten bezüglich allem sein, was in irgendeiner Form mit der dramatischen Situation zu tun hat. Wenn diese Symptome länger als einen Monat andauern, dann handelt es sich um eine PTBS. 
  • Chronische Folgeerscheinungen, wie zum Beispiel dissoziative Identitätsstörungen, emotional-instabilen PersönlichkeitsstörungDepressionen, Angststörungen und Zwangsstörungen 

Spezifische Trauma-Stationen

Es gibt Kliniken, die über eine eigene Traumaabteilung verfügen. Im Vergleich zu herkömmlichen psychologischen Kliniken haben diese Trauma-Kliniken die meiste Erfahrung und die besten Behandlungskonzepte. 

Behandlungskonzept einer Klinik-Traumatherapie

Die moderne Trauma-Klinik in Deutschland orientiert sich in der Regel an dem folgenden Dreiphasenmodell

Stabilisierungsphase

Der Patient wird über die Auswirkungen von Traumata informiert und erlernt Imaginationsübungen, bei denen er sich zum Beispiel an einem sicheren Ort vorstellt oder seine traumatischen Erinnerungen imaginär in einen sicheren Safe packt. Zudem erlernt er Verhaltensstrategien bei Flashbacks, Angstgefühlen und selbstschädigendem Verhalten.

Traumabearbeitungsphase

Durch den gezielten Einsatz von bestimmten Techniken wird die Trauma-Aufarbeitung durchgeführt. Zum Beispiel wird das traumatische Erlebnis auf der „inneren Leinwand“  unter Einbeziehung von NEUEN Emotionen und Wahrnehmungen anvisiert. Diese Technik wird als EMDR bezeichnet. Zudem werden weiterhin die Stabilisierungstechniken aus Phase 1 durchgeführt. 

Integrationsphase

In der Integrationsphase wird das Anerkennen der Folgen des Traumas beim Patienten priorisiert. Gefühle wie Trauer und Schuldgefühle werden genau durchleuchtet. Es findet dabei eine Neuorientierung statt, in der Zukunftsperspektiven, Wünsche und neue Strategien für den Alltag erarbeitet werden. Das Selbstbewusstsein der Patienten wird trainiert und man geht auf Konfliktlösungen und soziale Beziehungen ein.

Die Behandlung von Trauma – Folgestörungen wird durch wirksame Traumabearbeitungsverfahren erreicht. 

Es gibt verschiedene, bewährte Ansätze:

  • Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) bedeutet zu Deutsch Augenbewegungen, die mit Desensibilisierung und Reprozessierung einhergehen. Ende der 80er Jahre wurde EMDR erfunden und einen ganz anderen Mechanismus als herkömmliche Therapien bei gleicher Erfolgsrate. Der Patient hat die Aufgabe sich auf den schlimmsten Moment des zu verarbeitenden Ereignisses des Traumas einzulassen. Dazu sitzt er dem Behandler gegenüber und folgt mit den Augen den Händen des Therapeuten, während er an die traumatische Situation denkt. Er lässt alle aufkommenden Emotionen und Bilder fließen, was auch immer passieren mag. Es geht bei dieser Technik nicht um die Löschung des Ereignisses, sondern um die Integration anderer Wahrnehmungen und Gefühle. Das Ereignis wird dabei mit weniger bedrohlichen Dingen verknüpft. Der Vorteil von EMDR: Der Heilungsprozess geht schneller, ist angenehmer und weniger belastend als KVT oder PE.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Die klassische Therapieform bei Trauma zielt auf eine Neubewertung der Wahrnehmung bei den Betroffenen ab. Die Gesprächstherapie soll eine Veränderung der Bedeutung des Traumas und seiner Konsequenzen beim Patienten erzielen. Im Fokus stehen die Spätfolgen und nicht das Trauma selbst.
  • Prolonged Exposure Therapy (PE): Wie es der englische Name bereits sagt, steht die sogenannte Exposition im Zentrum der Behandlung. Der Patient versetzt sich imaginativ in den traumatischen Moment zurück. Dabei ist es wichtig, dass er alle unangenehmen Gefühlen noch einmal durchlebt. Sitzung wird jeweils auf Tonband aufgezeichnet. Der Patient hört sich die Aufnahme regelmäßig zu Hause an. Die anfänglich heftige Reaktion auf die Aufnahme klingt bei wiederholtem Hören immer mehr ab, bis die PTBS-Symptome Hintergrund treten.
  • Narrative Exposure Therapy (NET): Die narrative Expositionstherapie wird bei Opfern von Gewalt oder Flucht bei einer Mehrfach- und Komplextraumatisierung eingesetzt. Dabei werden Bedeutungen des Geschehens aus der Distanz zum „traumatischen damaligen Event“ erfassbar. Es kommt zur Würdigung der traumatisierten Person und zur Anerkennung des erlittenen Unrechts.
  • Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT) ist eine Methode, bei der traumatische Erinnerungen auf der „Inneren Leinwand“ in drei Phasen durch Vorstellungskraft verarbeitet werden. Es werden Bewältigungs- und Selbstberuhigungsbilder in der traumatischen Situation entwickelt, die sich der Betroffene immer wieder vorstellt.
  • Die behutsame Traumaintegration (TRIMB-Methode) ist eine sanfte Methode der Traumaintegration, die Vorstellungskraft, Atmung und Bewegung nutzt, um Auslöser oder Trigger zu bearbeiten und zu entkräfigen. 
  • Die Screentechnik (KReST-Modell) (= Körper-, Ressourcen- und Systemorientierte Traumatherapie) ist eine weiterentwickelte körper- und ressourcenorientierte Form der Screentechnik zur effektiv durchgeführten Traumaexposition und Traumasynthese. Durch vielfältige Übungen kann die körperliche, emotionale und kognitive Verarbeitung sowie Integration der Erlebnisse effektiver verarbeitet werden.
  • Beobachter-Bildschirmtechnik ist ein beliebtes Verfahren, bei der die traumatische Situation durch die Vorstellungskraft auf eine äußere Leinwand projiziert wird. Durch diesen distanzierten Blick können die Erinnerungen tief verarbeitet werden. 

Traumatherapie-Klinik: Kassenpatient

Sogenannte Akut-Krankenhäuser haben im psychosomatischen und psychiatrischen Bereich einen Versorgungsauftrag für eine bestimmte Region Deutschlands. Laut § 39 SGB V wird die Therapie einer Krankheit im Krankenhaus als Pflichtleistung von den Krankenkassen übernommen. Dazu genügt der Einweisungsschein des Arztes. Voraussetzung hierfür ist, dass die vorherige Kostenzusage der Krankenkasse für die traumatherapeutische Behandlung bei Einweisung bereits vorliegt. 

Zu bedenken gilt, dass bei Trauma-Stationen in Krankenhäusern oft eine begrenzte Platzzahl besteht und Patienten aufgrund der hohen Nachfrage oft lange warten müssen. Aufgrund der langen Warteliste werden zudem Kassenpatienten aus der Region bevorzugt. 

Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen 

Rehabilitationskliniken haben gemäß § 111 Sozialgesetzbuch (SGB) V einen ganz eigenen Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen bzw. Rentenversicherungsträgern. Hierzu muss der Kassenpatient je nach Beschäftigungsart und Sozialstatus bei der jeweiligen zuständigen Behörde ein Antrag gestellt werden, wobei die Rentenversicherung zum Beispiel nur für Berufstätige zuständig ist, was jedoch Selbständige, Auszubildende und Berufsanfänger ausschließt.

Der größte Vorteil von Privatkliniken und Programmen für Selbstzahler ist die minimale Wartezeit für einen Therapieplatz. Außerdem können Selbstzahler Kliniken auswählen, die eine eigene Trauma-Abteilung haben oder komplett auf dieses Thema spezialisiert sind. Es werden in Privatkliniken zudem wesentlich mehr Therapiebausteine angeboten bzw. steht in der Regel ein breitgefächertes Programm zur Rehabilitation und Entspannung zu Verfügung. Überdies haben Selbstzahler je nach PTBS-Klinik die beste Auswahl, was ein komfortables Zimmer und andere Annehmlichkeiten angeht. 

Im Folgenden stellen wir die besten Trauma-Kliniken vor, die nach Standorten in Deutschland gegliedert sind. 

Trauma-Klinik Dresden

Die Klinik am Waldschlösschen in Dresden ist eine staatlich anerkannte Privatkrankenanstalt. Sie verfügt über eine eigene Trauma-Abteilung. Begrüßt werden hier neben Privatversicherten und Beihilfeberechtigten nationale und internationale Selbstzahler, welche ihre Behandlung direkt ohne Wartezeit antreten können, sobald eine inhaltliche Vorprüfung seitens des leitenden Psychologen der Klinik am Waldschlösschen stattgefunden hat. 

Für Patienten werden die bewährtesten Techniken zur Traumakonfrontation, wie z. B. prolongierte Exposition, EMDR, IRR, NET, TRIMB-Methode, Beobachter-Bildschirmtechnik, Screentechnik nach dem KReST-Modell usw. angeboten. Das Programm findet in Einzel- und Gruppentherapien statt. 

Traumaklinik Bielefeld 

Eine gute Traumaklinik NRW ist die Klinik für psychotherapeutische und psychosomatische Medizin in Bielefeld, Stadtteil Bethel, namens evangelisches Klinikum Bethel (EVKB). Sie gehört dem Universitätsklinikum OWL in Bielefeld an. Die Besonderheit dieser Trauma-Klinik liegt darin, dass die Leiter des Instituts ihre eigene Technik für komplexe Traumata, die psychodynamisch-imaginative Traumatherapie (PITT), entwickelt haben.  Bewegungs- und Kunsttherapie zählen zu weiteren Bausteinen der Behandlung. Der Ansatz der Therapie ist psychodynamisch und ressourcenorientiert, auf Basis der Psychotherapie. Die Behandlung in der Traumaklinik Bielefelds findet in Einzel- und Gruppentherapie (gemischte Gruppen sowie Frauen- und Männergruppen) statt. Patienten können stationär oder in der Tagesklinik die Therapie angehen.

Traumatherapie Klinik Kassenpatient NRW: Patienten, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, können nur aufgenommen werden, wenn sie in einem Umkreis von 100 Kilometern von Bielefeld wohnen. Anders sieht die Situation für Selbstzahler aus, die ohne Wartezeit und Zugehörigkeit zum gleichen Bundesland direkt einen Platz bekommen.

Traumatherapie Göttingen 

Komplexe posttraumatische Belastungsstörung-Klinik

Die stationäre Traumatherapie wird vom Asklepios Fachklinikum Göttingen angeboten. Die Einrichtung befindet sich im Bundesland Niedersachsen. Die Klinik verfügt über eine eigene Trauma-Therapie-Abteilung. Im Vordergrund stehen die Vermittlung von Stabilisierungstechniken (EMDR, CIPBS, Bildschirmtechnik und Beobachtertechnik), die begleitet werden von  Therapiebausteinen, wie Qigong, Feldenkrais und Progressive Muskelrelaxation (PMR). In dieser Einrichtung dauert die Trauma-Expositionsbehandlung in der Regel sechs Wochen. Sie kann jedoch, falls erforderlich, wiederholt werden.

Traumaklinik Hannover 

Das Klinikum Wahrendorff in Hannover ist ein Akut-Krankenhaus für Traumata. Es verfügt über ein eigenes Traumazentrum, welches aus der Klinik für Trauma- und Psychotherapie (KTP) in Sehnde und der Tagesklinik Hannover besteht. Das Behandlungskonzept basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie. Ebenfalls werden achtsamkeitsbasierte Therapieverfahren, die dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) mit dem sog. Fertigkeitentraining sowie die prolongierte Traumaexposition angeboten. Was Traumakliniken für Frauen angeht, diese PTBS-Klinik verfügt über einen Heimbereich für Frauen mit Traumafolgestörungen und ist daher eine Klinik für traumatisierte Frauen.