SCHWEIZER MEDIZIN KOMPETENZ: ZÜRICH, MALLORCA, LONDON, NEW YORK

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Die Polyvagal-Theorie ist eine Sammlung von Ideen und Modellen, die von Stephen Porges, einer führenden Persönlichkeit der Psychophysiologie, vorgeschlagen wurden. Die Theorie hilft zu erklären, wie der Körper und das Gehirn miteinander verbunden sind und wie sie das Verhalten, die geistige Gesundheit und emotionale Prozesse beeinflussen. Der Begriff „polyvagal“ setzt sich zusammen aus „poly“, was „viele“ bedeutet, und „vagal“, was den Vagusnerv bezeichnet. Der Vagusnerv ist ein wichtiger Teil des parasympathischen Nervensystems, das dazu beiträgt, viele automatische Funktionen des Körpers wie Herzfrequenz, Verdauung und Atmung zu steuern und zu regulieren.

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Ein Schlüsselelement der Polyvagal-Theorie ist das Konzept der „Neurozeption“. Dieser von Porges geprägte Begriff beschreibt, wie unser Körper unbewusst Gefahr und Sicherheit in unserer Umgebung wahrnimmt und dann unseren physiologischen Zustand und unser Verhalten entsprechend anpasst. Die Polyvagal-Theorie wurde in verschiedenen therapeutischen Kontexten angewandt, um Menschen zu helfen, ihre Reaktionen auf Stress besser zu verstehen und zu bewältigen, die emotionale Regulierung zu verbessern und das soziale Engagement zu steigern.

In der Klinik Balance Mallorca werden die Prinzipien der Polyvagal-Theorie in einem umfassenden Behandlungsansatz angewandt. Das ultimative Ziel ist es, den Klienten zu befähigen, ihre eigenen physiologischen Reaktionen zu verstehen und zu kontrollieren, um so die Heilung zu erleichtern und einen gesünderen, ausgeglichenen Lebensstil zu fördern. Ganz gleich, ob Sie sich von chronischem Stress befreien, Ihre Emotionen besser regulieren oder Ihre Fähigkeit, mit anderen in Kontakt zu treten, verbessern wollen – die auf der Polyvagal-Theorie basierenden Behandlungen bieten einen einzigartigen und praktischen Ansatz für Gesundheit und Wohlbefinden.

Nach der Polyvagal-Theorie gibt es drei verschiedene Untersysteme des autonomen Nervensystems (kurz: ANS), die durch den Vagusnerv beeinflusst werden:

  1. Der ventrale Vaguskomplex (kurz: VVC): Dieser auch als „soziales Bindungssystem“ bezeichnete Signalweg ist an der Interaktion und Kommunikation mit anderen beteiligt. Wenn er aktiv ist, fühlen wir uns sicher, ruhig und mit anderen verbunden.
  2. Das sympathische Nervensystem (kurz: SNS): Dieses System ist an der „Kampf- oder Flucht“-Reaktion beteiligt, einem Zustand erhöhter Erregung und Handlungsbereitschaft, in den der Körper eintritt, wenn er eine Bedrohung wahrnimmt.
  3. Der Dorsal-Vagus-Komplex (kurz: DVC): Dieses primitivere System, das manchmal auch als „Erstarrungs“-Reaktion bezeichnet wird, kann dazu führen, dass sich eine Person bei extrem hohem Stress oder wahrgenommener Bedrohung dissoziiert oder gedanklich „abmeldet“.

In Stresssituationen hat Ihr Körper verschiedene Reaktionen zur Auswahl, wie die Polyvagal-Theorie erklärt. Stellen Sie sich das wie die Gänge in einem Auto vor. Im ersten Gang, dem so genannten „sicheren“ Zustand, ist Ihr Körper entspannt, offen für soziale Kontakte und bequem. Dieser bevorzugte Zustand wird durch den ventralen Vaguskomplex gesteuert.

Wenn wir mit einer stressigen Situation konfrontiert werden, z. B. wenn wir auf einem Spaziergang einer Schlange begegnen, schaltet unser Körper in den zweiten Gang, die so genannte „Kampf- oder Flucht“-Reaktion. Diese Reaktion, die vom sympathischen Nervensystem gesteuert wird, bereitet Sie auf eine Aktion vor und ist sozusagen der Panikknopf Ihres Körpers. 

Wenn die Situation extrem stressig wird, schaltet Ihr Körper möglicherweise in den dritten Gang, die „Freeze“-Reaktion. Diese Reaktion, die vom dorsal-vagalen Komplex gesteuert wird, kann dazu führen, dass Sie sich wie betäubt oder abgeschaltet fühlen, um sich in schwierigen Situationen zu schützen.

Die Polyvagal-Theorie hilft uns also zu verstehen, wie unser Körper auf Stress und Sicherheit reagiert und wie diese Reaktionen unsere Gefühle und unser Verhalten beeinflussen können. Sie dient als Leitfaden für die automatischen Stressreaktionen unseres Körpers.

Die Übungen der Polyvagal-Theorie sprechen verschiedene Aspekte des autonomen Nervensystems an und zielen insbesondere auf die ventralen und dorsalen Äste des Vagusnervs ab, die wesentliche Bestandteile der Reaktion des Körpers auf Stress und Entspannung sind.

Diese Übungen „trainieren“ im Wesentlichen Ihr Nervensystem, um effektiver zwischen Entspannungszuständen (Aktivierung des ventralen Vaguskomplexes) und Wachsamkeit (Aktivierung des sympathischen Nervensystems) zu wechseln und die Fälle von „Abmeldung“ (Aktivierung des dorsalen Vaguskomplexes) bei hohem Stress oder wahrgenommener Bedrohung zu reduzieren.

Durch regelmäßige Übungen können Sie die Bahnen in Ihrem Körper stärken, die Ihnen helfen, mit Stress umzugehen, Ihre Emotionen zu regulieren und mit anderen in Kontakt zu treten. Dies kann zu einer besseren psychischen Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und allgemeinem Wohlbefinden führen.

Die Polyvagal-Theorie ist eng mit unseren Körperempfindungen und autonomen Reaktionen auf unsere Umwelt verbunden. Übungen, die auf dieser Theorie basieren, sollen uns helfen, ein tieferes Verständnis für die Reaktionen unseres Körpers zu erlangen, die wir dann nutzen können, um unsere Emotionen zu regulieren, Stress zu bewältigen und soziale Interaktionen zu verbessern. Hier sind einige Übungen zur Polyvagalen Theorie:

  1. Progressive Muskelentspannung: Bei dieser Technik werden verschiedene Muskelgruppen angespannt und dann wieder entspannt. Beginnen Sie an einem Ende Ihres Körpers, z. B. an den Zehen, und arbeiten Sie sich bis zum anderen Ende, z. B. dem Kopf, vor. Spannen Sie jede Muskelgruppe etwa 5 Sekunden lang an und lassen Sie dann los. Dies kann Ihnen helfen, sich Ihrer Körperempfindungen bewusster zu werden, und lehrt Ihren Körper, sich zu entspannen, wobei der ventrale Vaguskomplex aktiviert wird.
  2. Geführte Fantasien: Bei dieser Übung stellen Sie sich einen Ort oder eine Situation vor, die Ihnen ein Gefühl von Frieden und Ruhe vermittelt. Indem Sie sich selbst in diesem sicheren Raum vorstellen, reagiert Ihr Körper so, als ob Sie sich in dieser friedlichen Situation befinden. Diese Übung kann dazu beitragen, Ihr soziales Bindungssystem zu aktivieren und so ein Gefühl der Sicherheit und Entspannung zu fördern.
  3. Tiefes Atmen: Durch die bewusste Kontrolle Ihres Atems wird Ihr parasympathisches Nervensystem aktiviert, was ein Gefühl der Ruhe und Entspannung fördert. Nehmen Sie zunächst eine bequeme Position ein, schließen Sie die Augen und atmen Sie bis 4 tief ein. Halten Sie den Atem bis 4 an und atmen Sie dann bis 4 aus. Wiederholen Sie diesen Zyklus einige Minuten lang und konzentrieren Sie sich dabei auf den Rhythmus und das Gefühl Ihres Atems.
  4. Erdungstechniken: Diese Techniken helfen Ihnen, sich wieder mit dem gegenwärtigen Moment zu verbinden, indem Sie häufig Ihre Sinne ansprechen. Eine gängige Erdungstechnik ist die „5-4-3-2-1“-Übung: Nennen Sie fünf Dinge, die Sie sehen können, vier Dinge, die Sie berühren können, drei Dinge, die Sie hören können, zwei Dinge, die Sie riechen können, und ein Ding, das Sie schmecken können.
  5. Soziale Interaktion: Positive soziale Interaktionen sind entscheidend für die Aktivierung des ventralen Vaguskomplexes. Das kann so einfach sein wie eine angenehme Unterhaltung mit einem Freund, einem Familienmitglied oder einem Haustier. Konzentrieren Sie sich auf die positiven Gefühle, die diese Interaktionen hervorrufen.
  6. Yoga und Meditation: Beide Praktiken wirken auf das parasympathische Nervensystem und fördern so einen Zustand der Ruhe. Yoga kombiniert Atemkontrolle, Meditation und bestimmte Körperhaltungen, um Gesundheit und Entspannung zu fördern. In ähnlicher Weise ermutigt die Achtsamkeitsmeditation dazu, sich auf den Atem zu konzentrieren und sich des gegenwärtigen Augenblicks bewusst zu sein, ohne in der Vergangenheit zu verweilen oder die Zukunft vorwegzunehmen.
  7. Brummen oder Singen: Der Vagusnerv ist mit Ihren Stimmbändern und den Muskeln im hinteren Teil Ihres Rachens verbunden. Singen, Summen, Singen oder sogar Gurgeln kann diese Muskeln stimulieren und den Vagusnerv aktivieren. Dies kann zu einem Gefühl der Ruhe und Entspannung führen.
  8. Musik hören: Musik hat die einzigartige Fähigkeit, unsere Emotionen anzusprechen und kann dazu beitragen, Gefühle von Sicherheit und Ruhe auszulösen. Entscheiden Sie sich für Musik, die Sie beruhigt und das Gefühl der Entspannung fördert.

Die Polyvagal-Theorie bietet einen Rahmen für das Verständnis, wie ein Trauma den physiologischen Zustand und die Reaktionen des Körpers beeinflussen kann. Ein Trauma, insbesondere wenn es chronisch ist oder in kritischen Entwicklungsphasen auftritt, kann die Funktion des autonomen Nervensystems, die in der Polyvagal-Theorie ausführlich beschrieben wird, erheblich beeinträchtigen.

Hier erfahren Sie, wie ein Trauma auf das Polyvagale System einwirken kann:

  1. Beeinträchtigtes soziales Engagement: Ein Trauma kann die Funktion des ventralen vagalen Komplexes beeinträchtigen, der mit sozialem Engagement verbunden ist. Dies kann zu Schwierigkeiten bei der Emotionsregulierung, der Kommunikation und dem Aufbau gesunder sozialer Beziehungen führen.
  2. Übererregung: Ein Trauma kann zu chronischer Übererregung führen, bei der sich der Körper ständig in einem „Kampf- oder Flucht“-Modus befindet, der vom sympathischen Nervensystem gesteuert wird. Menschen, die sich in einem chronischen Zustand der Übererregung befinden, können unter anhaltender Angst, Hypervigilanz, Unruhe und Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten leiden.
  3. Dissoziation oder „Freeze“-Reaktion: In Fällen von extremem Stress oder wahrgenommener Bedrohung kann der dorsale vagale Komplex, der primitivste Teil unseres Nervensystems, aktiviert werden. Dies kann zu einer „Freeze“- oder „Shutdown“-Reaktion führen, die sich als Taubheit, Abkopplung, Erschöpfung oder in extremen Fällen als Ohnmacht äußert. Menschen, die ein Trauma erlebt haben, kehren häufig in diesen Zustand zurück, insbesondere wenn sie an ihre traumatischen Erlebnisse erinnert werden.

Es wurde festgestellt, dass die Polyvagaltherapie bei verschiedenen Störungen von Nutzen sein kann. Eine Beratung durch eine qualifizierte medizinische Fachkraft oder einen Therapeuten kann individuellere Informationen über den potenziellen Nutzen der Polyvagaltherapie bei bestimmten Störungen liefern.

  1. Depressionen: Die Polyvagal-Theorie geht davon aus, dass Depressionen mit einer vorherrschenden „Freeze“-Reaktion verbunden sein können, die durch Abkopplung und Rückzug gekennzeichnet ist. Die polyvagale Therapie zielt auf die Regulierung des dorsal-vagalen Komplexes und die Förderung des sozialen Engagements ab, um depressive Symptome zu lindern.
  2. Angstzustände: Die Polyvagal-Theorie geht davon aus, dass Angststörungen mit einer Überaktivierung des sympathischen Nervensystems zusammenhängen, die zu einer verlängerten „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion führt. Die Polyvagal-Therapie zielt darauf ab, das autonome Nervensystem zu regulieren und den Betroffenen zu helfen, Sicherheit zu erlangen und Angstsymptome zu reduzieren.
  3. ADHS: Die Polyvagal-Theorie geht davon aus, dass die ADHS-Symptome mit einer Dysregulation des autonomen Nervensystems zusammenhängen, die zu Schwierigkeiten bei der Aufmerksamkeit und der Selbstregulation führt. Die Polyvagaltherapie zielt darauf ab, die autonome Regulierung zu verbessern und die Selbstregulierungsfähigkeiten zu fördern.
  4. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Traumatische Erfahrungen können die autonome Regulation des Körpers stören und zu einer Dysregulation der drei Reaktionszustände der Polyvagal-Theorie führen. Die Polyvagal-Therapie zielt darauf ab, ein Gefühl der Sicherheit wiederherzustellen und Hyperarousal und Hypervigilanz zu reduzieren, die häufig mit PTBS in Verbindung gebracht werden.

Andere Störungen, die von einer polyvagalen Therapie profitieren können, sind dissoziative Störungen, Bindungsstörungen und Autismus-Spektrum-Störungen. Es ist wichtig zu beachten, dass die Polyvagal-Theorie zwar einen Rahmen für das Verständnis dieser Störungen bietet, die spezifische Anwendung der Polyvagal-Therapie jedoch je nach den individuellen Bedürfnissen und therapeutischen Ansätzen variieren kann.

Die Polyvagal-Theorie bietet ein umfassendes Verständnis darüber, wie unser Körper auf Stress und gefühlte Sicherheit reagiert. Dieses von Stephen Porges beschriebene autonome Reaktionssystem umfasst den ventralen Vaguskomplex, das sympathische Nervensystem und den dorsalen Vaguskomplex, die jeweils unterschiedliche Rollen bei unseren Kampf-, Flucht- oder Erstarrungsreaktionen spielen.

Dieses Wissen zu verstehen und zu nutzen ist von entscheidender Bedeutung, nicht nur für Menschen, die ihre emotionalen Reaktionen besser steuern wollen, sondern auch für Therapeuten in einem therapeutischen Umfeld. 

THE BALANCE Mallorca ist ein solcher Ort, an dem die Prinzipien der Polyvagal-Theorie in einem umfangreichen Behandlungsansatz angewandt werden. Das Zentrum bezieht dieses Verständnis unserer physiologischen Reaktionen in sein therapeutisches Programm ein und hilft seinen Klienten, ihre eigenen physiologischen Reaktionen zu steuern und zu kontrollieren.

Durch die Integration von bewährten Praktiken nutzt die Klinik die Polyvagal-Theorie, um die emotionale Regulierung, das Stressmanagement und verbesserte soziale Interaktionen zu fördern. Dies fördert die Heilung und einen gesünderen, ausgeglicheneren Lebensstil für die Patienten, die von der Klinik betreut werden. Die Polyvagal-Theorie birgt daher ein erhebliches Potenzial nicht nur für das Verständnis unserer eigenen Stressreaktionen, sondern auch als therapeutisches Instrument in Rehabilitationseinrichtungen, die einen ganzheitlichen Therapieansatz verfolgen.

  1. Porges SW. The polyvagal theory: new insights into adaptive reactions of the autonomic nervous system. Cleve Clin J Med. 2009 Apr;76 Suppl 2(Suppl 2):S86-90. doi: 10.3949/ccjm.76.s2.17. PMID: 19376991; PMCID: PMC3108032. Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3108032
  2. POLYVAGALTHEORIE. Eine kurze Einführung. Verfügbar unter: https://polyvagal-akademie.com/theorie
  3. Porges SW. Polyvagal Theory: A Science of Safety. Front Integr Neurosci. 2022 May 10;16:871227. doi: 10.3389/fnint.2022.871227. PMID: 35645742; PMCID: PMC9131189. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35645742/
  4. What is Polyvagal Theory ? | The Role in Therapy to treat Trauma | Anxiety. Verfügbar unter: https://balanceluxuryrehab.com/polyvagal-theory

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