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Bearbeitet & klinisch überprüft vom THE BALANCE Team
Fakten geprüft

Nikotin ist ein Stoff, der in Tabakprodukten enthalten ist und genauso abhängig wie Morphin, Kokain oder Alkohol machen. Die Droge hat auf das Gehirn verschiedene Einflüsse, weshalb der Nikotinentzug sehr herausfordernd sein kann:

  • Hebt die Stimmung
  • Reduziert Depressionen
  • Verbessert die Konzentration und das Kurzzeitgedächtnis
  • Reduziert Appetit
  • Verleiht ein Wohlgefühl

Wenn Sie mit dem Rauchen oder Vapen aufhören, werden Sie definitiv einige Entzugssymptome erleiden, wie es bei jeder anderen Droge ebenfalls der Fall ist.

Die Nebenwirkungen eines Nikotinentzugs können von Person zu Person variieren. Es kommt vornehmlich darauf an, wie viel Nikotin Sie in der Regel täglich zu sich nehmen und wie lange bereits. Davon hängt es ebenfalls ab, wie schnell die Entzugserscheinungen eintreten. Rein theoretisch beginnen Symptome des kalten Nikotinentzugs, sobald Sie Ihre Zigarette ausgemacht oder die E-Zigarette beiseite gelegt haben. Sie sind innerhalb der Phase jedoch meistens noch nicht deutlich merkbar. Nach 30 Minuten beginnen die ersten kalter Nikotinentzug Symptome und können umfassen:

  • Intensives Verlangen nach Nikotin
  • Kribbeln in Händen und Füßen
  • Nikotinentzug Schwitzen
  • Übelkeit oder Bauchkrämpfe
  • Verstopfung und Blähungen
  • Kopfschmerzen
  • Husten
  • Gereizter Hals
  • Gewichtszunahme
  • Schlaflosigkeit
  • Nikotinentzug Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Ängste
  • Reizbarkeit
  • Depression

Die Entzugserscheinungen von Nikotin steigern sich für gewöhnlich innerhalb der ersten zwei bis drei Tage. Das Verlangen nach Nikotin wird durch spezielle Nikotinrezeptoren im Gehirn ausgelöst. Sobald Sie aufhören zu rauchen, sind diese Rezeptoren aktiver und warten quasi auf die nächste Dosis Nikotin. Das führt wiederum zum Verlangen nach Nikotin in der Entzugsphase. 

Es heißt als Faustregel, dass der Nikotinentzug nach drei Wochen überstanden sei. Dies stimmt jedoch nicht ganz, da sich der Nikotinentzug durchaus über mehrere Wochen bis Monate hinziehen kann. Die Dauer eines Nikotinentzugs teilt sich in Phasen, einer sogenannten Suchtkurve Nikotinentzug ein. Mit jeder Nikotinentzugphase gehen andere Entzugserscheinungen einher – die jedoch individuell variieren können. Kein Mensch ist wie der andere. 

Suchtkurve Nikotinentzug

Die Suchtkurve des Nikotnentzugs teilt sich in fünf Nikotinentzug Phasen auf:

  • Woche 1: Die erste Woche geht häufig mit körperlichen Entzugserscheinungen wie Kreislaufprobleme, Schwitzen, Schwindel, Konzentrationsschwïerigkeiten, Gereiztheit sowie Nervosität einher. In dieser Phase ist das Verlangen nach Nikotin am stärksten und erreicht in der Regel am dritten Tag ihren Höhenpunkt.
  • Woche 2 – 4: In dieser Phase lassen die Entzugserscheinungen bereits nach, aber kommt häufig ein plötzliches Verlangen nach einer Zigarette auf. Es kann sehr überwältigend sein, sodass manche in dieser Phase bereits aufgeben. Da es als Faustformel heißt, man habe es nach drei Wochen geschafft, greifen einige als Belohnung zur Zigarette. Außerdem kann es in dieser Zeit häufig zu Schlafproblemen kommen. 
  • Woche 4 – 10: Die Entzugserscheinungen lassen nun endlich deutlich nach, doch kann diese Phase auch teilweise noch bis zur 16. Woche anhalten. Dafür machen sich vermehrt Stimmungsschwankungen und Depressionen breit. Dies ist eine sehr häufige Entzugserscheinung, die auch beim Entzug anderer Drogen zum Vorschein kommt. Suchtattacken bleiben in dieser Zeit leider nicht erspart. 
  • Woche 11+: Ab der elften Woche gehören Entzugserscheinungen komplett der Vergangenheit an. Die Stimmung hebt sich und jetzt sind die Entzugserscheinungen rückblickend meistens doch nicht mehr so schlimm. Da es doch so einfach war, können sich einige an dieser Stelle ebenfalls verführt fühlen, sich mit einer Zigarette zu belohnen. Der Rückfall ist entsprechend vorprogrammiert. 
  • Nach 6 Monaten: Erst nach sechs Monaten haben Sie es wirklich überstanden und gelten als richtiger Nichtraucher. Für Sie ist es nun normal nicht zu rauchen oder zu vapen. 

Wie lange es dauert, bis Nikotin aus dem Körper ist, hängt davon ab, wie viel und regelmäßig Sie zuvor geraucht haben. Da sich Nikotin relativ schnell abbaut und somit auch schnell Entzugserscheinungen auftreten, braucht der Körper nicht lange, um es abzubauen. Das erkennt man ebenfalls daran, wie schnell die Wirkung von Nikotin verschwunden ist. 

Um Nikotin abzubauen, sind im Körper vor allem Leberenzyme tätig. Doch auch die Lunge und die Nieren sind beim Abbau von Nikotin beteiligt. Nikotin selbst wird zwar recht schnell abgebaut, doch enthält Nikotin noch einen anderen Stoff: das Cotinin. Cotinin braucht etwas länger, um von Körper abgebaut zu werden, sodass dadurch noch einige Tage im Körper Nikotin nachweisbar ist.

Falls Sie es konkret wissen wollen, wie lange es dauert, bis Nikotin aus dem Körper abgebaut ist, erhalten Sie hier eine Übersicht:

  • Im Blut: Im Blut lässt sich Nikotin bis zu drei Tage nach der letzten Zigarette nachweisen
  • Im Speichel: Einen Tag länger als im Blut – 4 Tage – ist Nikotin noch im Speichel vorhanden
  • Im Urin: Falls Sie lange und regelmäßig geraucht haben, ist Nikotin noch bis zu drei Wochen im Urin nachweisbar.
  • In den Haaren: In den Haaren verbleiben Toxine üblicherweise am längsten, sodass Nikotin hier noch mindestens 3 Monate lang bleibt. Bei langjährigen und regelmäßigen Rauchern findet sich bis zu nach 12 Monaten noch Nikotin im Haar. 

Das Verlangen nach einer Zigarette kann bei jedem Menschen unterschiedlich lange vorhanden. Ursächlich ist dafür, was Sie mit dem Rauchen in Verbindung gebracht haben  und die Sucht für Sie deckte. Dies können beispielsweise Ängste oder auch Wut sein. Vielleicht ist es auch ein verborgener Persönlichkeitsanteil, den Sie mit dem Rauchen versucht haben zu kompensieren. Es kommt ebenfalls darauf an, was ihre Beweggründe waren, um mit dem Rauchen aufzuhören. Manche Menschen verspüren keinerlei Verlangen nach einer Zigarette, nachdem der körperliche Entzug überstanden ist. Weiterhin kommt es darauf an, welche Ablenkungsmechanismen Sie sich angeeignet haben, um die Entzugssymptome zu mildern. 

Ihnen sollte beim Nikotinentzug bewusst sein, dass Nikotinsucht lediglich zu 1 % körperlich und dafür zu 99 % psychisch ist. Häufig erinnert das Rauchen an positive Ereignisse, wie beispielsweise mit Freunden zusammen zu sein. Da Nikotin das Gefühl verleihen kann, dass es einem besser geht, wird die Zigarette häufig als der Fels in der Brandung in schwierigen Situationen betrachtet. Andererseits kann das Rauchen als Belohnung wie nach einer bestandenen Prüfung erinnern. Selbst wenn Sie jemand sind, der vorwiegend allein ist, kann sich das Rauchen als positiver Effekt einbürgern. Mit der Zigarette fühlen Sie sich weniger allein und sie ist sogar dabei, wenn Sie nachdenken. 

Ein kalter Nikotinentzug kann körperlich sowie psychisch unangenehm sein. Allerdings ist ein kalter Entzug von Nikotin im Gegensatz zu Alkohol keinesfalls lebensgefährlich. Ein Aufenthalt in einer Rehaeinrichtung ist für den Nikotinentzug keinesfalls erforderlich. Dafür treten beim Nikotinentzug andere Nebenwirkungen auf.

Als Nebenwirkungen des Nikotinentzugs lassen sich vor allem ein gesteigerter Appetit mit Gewichtszunahme sowie psychische Veränderungen beobachten. 

Der gesteigerte Appetit kommt vor allem dadurch, dass sich Ihre Geschmacksnerven sowie Ihr Geruchssinn normalisieren. Im Grunde ist dies ein sehr positiver Nebeneffekt, aber lässt sich dadurch auch der Appetit anregen. Die meisten essen während des Nikotinentzugs mehr und häufiger als vor dem Nikotinentzug. Einige haben hierbei ebenfalls ein verstärktes Verlangen nach zuckrigen sowie fettigen Speisen, selbst wenn sie eigentlich nicht der Typ dafür sind. Am besten wird die Attacke vom kleinen Hunger zwischendurch mit einem Glas Wasser verzögert. Manchmal ist der Körper eigentlich durstig und signalisiert es mit Hunger. Es lohnt sich zudem, gesunde Snacks wie Nüsse und Rohkostgemüse sowie Obst bereitzuhalten. Ein Spaziergang zwischendurch treibt wiederum Ihren Stoffwechsel an, damit Sie die höhere Anzahl an Kalorien schneller wieder verbrennen. 

Hinsichtlich psychischer Veränderungen kommt es während des Nikotinentzugs unter Umständen zu depressiven Phasen. Besonders anfällig sind hierfür Menschen, die in der Vergangenheit bereits mit Depressionen kämpften und durch den Nikotinentzug einen Rückfall erleiden. Durch Nikotinentzug ausgelöste Depressionen verschwinden in der Regel wieder von selbst. Falls Sie für Depressionen anfällig sein sollten, empfiehlt es sich, vor dem Nikotinentzug mit einem Therapeuten rechtzeitige Schritte einzuleiten.

Wirklich vermeiden lassen sich Nikotin Entzugserscheinungen leider nicht. Es gibt zwar die Möglichkeit eines ‘warmen Nikotinentzugs’ mithilfe von Nikotinpflastern oder Nikotinkaugummis. Studien sowie einige, die den Entzug mit solcherlei Hilfsmitteln bereits probiert haben, belegen jedoch eine geringe Langzeitwirksamkeit. Außerdem können weder Nikotinpflaster noch Nikotinkaugummis Entzugserscheinungen gänzlich unterbinden. Wirklich wirksam ist offenbar in diesem Fall nur der kalte Nikotinentzug. 

Es gibt jedoch einige Hilfsmittel, mit denen Nikotin Entzugserscheinungen gemildert werden können:

Bei trockenem Mund und gereiztem Hals

Viel Wasser und Tee trinken sowie zuckerfreie Bonbons lutschen oder zuckerfreie Kaugummis kauen. Mit Kaugummis und Bonbons können Sie zudem Ihren Mund beschäftigen, falls ein starkes Verlangen nach Rauchen aufkommt.

Bei Kopfschmerzen

Lernen Sie Entspannungsübungen, wobei spezielle Atemübungen, autogenes Training oder auch Meditation hilfreich sein können. Alternativ bietet sich immer Ibuprofen, wenn es allzu schlimm wird.

Bei Konzentrationsstörungen

Legen Sie regelmäßig Pausen ein und versuchen Sie es nicht, zu übertreiben. Gehen Sie möglichst locker an den Nikotinentzug heran und vermeiden Sie Stress. Meditation kann ebenfalls hilfreich sein, um die Konzentration zu steigern. Machen Sie sich To-Do-Listen, damit Sie nichts vergessen.

Bei Schlafstörungen

Schalten Sie elektronische Geräte mindestens ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen aus oder legen Sie diese zumindest weit weg. Versuchen Sie es stattdessen vor dem Schlafengehen zu lesen, ein Bad zu nehmen oder entspannende Musik zu hören.

Bei starkem Verlangen

Suchen Sie sich etwas zu tun, das Sie möglichst intensiv ablenkt. Sie könnten im Garten die Pflanzen pflegen, ein neues Beet anlegen oder mit Ihrem Hund spazieren gehen. 

Nachdem Sie erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört haben, kann sich Ihre Lunge regenerieren sowie auch Ihr restlicher Körper. Eine Entgiftungskur mit natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln könnte sich als hilfreich erweisen, um auch die übrigen Schadstoffe vom Rauchen aus Ihrem Körper zu spülen. Die meisten benötigen jedoch mehr als einen Versuch, um wirklich erfolgreich mit dem Rauchen aufzuhöre. Hierzu kann es sehr lohnenswert sein, Ihre Trigger zu identifizieren, die Sie zum Rauchen veranlassen und diese anzugehen.