Auch wenn Tramadol eigentlich zur Schmerzlinderung und zur Lösung von Ängsten sowie der Behandlung von Depressionen entwickelt wurde, kommt es bei einer längerfristigen Überdosierung zu euphorisierenden Rauschzuständen, die sich negativ auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirken können.

Tramadol zeigt die typischen Rauscherscheinungen wie andere Opioide. Bei einer extremen Dosierung des Opioids werden Konsumenten in einen Rauschzustand versetzt – wodurch ein Missbrauch von Tramal häufig vorkommt. In den letzten Jahren ist Tramadol nicht nur als Schmerzmittel eingesetzt worden, sondern wird oftmals auch missbräuchlich eingenommen. Wird Tramadol nicht nach Vorschrift dosiert, sorgt es bei den entsprechenden Konsumenten für einen Rauscheffekt, der dem von Heroin sehr ähnlich ist. In vielen Ländern – vor allem in Afrika und in den USA – steigt der Konsum kontinuierlich, doch auch in Deutschland wird es oft angewendet.

Im Zusammenhang mit Tramadol spielt auch die Darreichungsform eine Rolle. Bei der Verwendung von Tramadol als Tablette ist kaum eine Rauschwirkung zu erwarten. Bei der Injektion des Wirkstoffs oder einer massiven Überdosierung werden die Konsumenten schnell in einen Rauschzustand versetzt. Wie stark und dauerhaft sich ein Rausch mit Tramadol auf den Organismus auswirkt, hängt immer von der Dosis und der Länge der (missbräuchlichen) Nutzung ab. Der Rausch sorgt für eine entspannende Wirkung, auf der anderen Seite euphorisiert der Wirkstoff und behandelt zuverlässig psychische Gefühlslagen wie Ängste, Depressiven und Unlust.

Wird Tramadol oral verabreicht, wird es zu über 90 Prozent vom Körper resorbiert. Die absolute Bioverfügbarkeit liegt im Durchschnitt bei 70 Prozent, wobei die Medikamenteneinnahme mit oder ohne Nahrung erfolgen kann. Die Halbwertszeit liegt sie zwischen vier und acht Stunden. Sie beschreibt die Zeitspanne, in der der Wirkstoffspiegel im Blut um 50 Prozent des anfänglichen Werts gefallen ist. Bei der Einnahme von Tramadol von einem gesunden Konsumenten – ganz unabhängig, ob als Tablette, als Retardtablette, als Zäpfchen oder Injektion. Danach ist es aus dem vollständig aus Organismus verarbeitet und ausgeschieden.

Die empfohlene Höchstdosis sollte 400 mg täglich für Erwachsene nicht überschreiten, bei Kindern und Jugendlichen darf die Dosis nur bei etwa 150 mg pro Tag liegen. Auch Menschen, die an einer Nierenerkrankung leiden, sollten Tramadol nur in einer geringeren Dosis einnehmen. Grundsätzlich gilt jedoch, die Einnahmedauer nur so kurz wie möglich zu gestalten, damit es nicht zu einer Abhängigkeit oder einem missbräuchlichen Nutzung kommt. Diejenigen, die die Höchstdosis von 400 mg pro Tag überschreiten, dosieren das Medikament zu hoch.

Tödliche Überdosierung von Tramadol

Viele Konsumenten leiden unter dem Toleranzeffekt und nehmen eine zu hohe Dosis an Tramadol zu sich. Medizinischen Untersuchungen zufolge tritt eine letale Wirkung gerade bei Patienten ein, die ein erhöhtes Suchtrisiko haben. Die korrekte Dosis darf 400 mg pro Tag für gesunde Menschen, wobei Kinder und Jugendliche sowie Schmerzpatienten, deren Niere oder Leber geschädigt ist, eine geringere Dosis zu sich nehmen müssen. Die tödliche Dosis lässt sich nicht eindeutig bestimmen, da dabei der aktuelle Gesundheitszustand zu berücksichtigen ist.

Eine Abhängigkeit der Konsumenten kann bereits nach wenigen Wochen kontinuierlicher Einnahme erfolgen, doch es ist sinnvoll, einen Entzug durchzuführen. Patienten wissen zumeist nicht einmal, dass sie eine Tramadol-Sucht entwickelt haben. Durch den Eingriff des Wirkstoffs kommt es zu Störungen der chemischen Ausgeglichenheit innerhalb des menschlichen Nervensystems, der Hormonproduktion und einer Umstrukturierung des Gehirns. Diese Faktoren lösen das typische Suchtverlangen aus, die zu einer Veränderungen von Körper, Psyche und der Wahrnehmung führen.

Der Eingriff in die chemische Balance des Nervensystems hat jedoch auch negative Folgen. So können sich unter anderem eine dauerhaft veränderte Hormonproduktion sowie Umstrukturierungen im Gehirn ausbilden. Diese sorgen dafür, dass Betroffene das typische Suchtverlangen empfinden oder sogar Veränderungen der Persönlichkeit, Kognition und Psyche entwickeln. Konsumenten, die Tramadol bereits über einen längeren Zeitraum hochdosiert einnehmen, zeigen verschiedene Symptome:

  • Schlafstörungen
  • Darmprobleme wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen
  • Depressive Verstimmungen
  • Krämpfe oder Schmerzen der Muskulatur
  • Gefühle der Angst
  • Blutdruckerhöhung und Herzrasen

Wie lange dauert ein Tramadol-Entzug?

Diejenigen, die bereits seit längerem Tramadol einnehmen, müssen wissen, dass der Entzug nicht sofort durchführbar ist. Wer Tramadol absetzen will, aber vorher eine hohe Menge des Wirkstoffs konsumiert hat, muss den Entzug als einen Prozess verstehen, bei dem die Dosis langsam reduziert wird. Allerdings ist es häufig beobachtet, dass Konsumenten, die Entzug geschafft haben und dann doch wieder rückfällig werden.

Allein für die körperliche Entgiftung muss von einem vierwöchigem Aufenthalt in einer Klinik ausgegangen werden. Die Phase der vollständigen Entwöhnung kann bis zu drei Monate dauern und hängt maßgeblich von den folgenden vier Faktoren ab:

  • Wie lange sind Konsumenten schon süchtig?
  • Wie hoch ist die tägliche Einnahmedosis?
  • Welche psychischen und physischen Vorerkrankung bestehen?
  • Wird eine passende Schmerzmedikation gefunden?

Ähnlich wie beim Konsum von Alkohol, wobei Alkoholiker zwar trocken, aber nie vollständig geheilt sind, funktioniert der Entzug von Tramal. Die gleiche Reaktionsform gibt es bei der Einnahme von Opioiden, auch hier besteht das Risiko, dass die Suchterkrankten auch wieder rückfällig werden. Aus diesem Grund ist es unbedingt erforderlich, an einer Rückfallprävention teilzunehmen. Damit soll erreicht werden, dass die Konsumenten dauerhaft von Tramadol loskommen können. Zur Unterstützung sollte die Familie möglichst früh mit einbezogen werden.

Von einem Mischkonsum von Tramadol mit Alkohol gilt als ein gefährlicher Mix. Die beruhigende Wirkung von Tramadol wird verstärkt, sodass die Konsumenten ein massives gesundheitliches Risiko eingehen. Gerade Jugendliche experimentieren mit der Mischung, um in Ekstase zu geraten. Sie wollen es erreichen, dass es ihnen besser geht und sie ein Rauschgefühl empfinden. Es hat sich jedoch auch gezeigt, dass die gemeinsame Einnahme mit Alkohol und Tramadol – der sogenannte Mischkonsum – hohe Risiken und Gefahren mit sich bringen. Grund ist, dass die Wirksamkeit von Tramadol in Kombination mit der Einnahme mit Alkohol verändert wird.

Tramadol-Abhängigkeit und Behandlung in Deutschland

Die Wirkung von gemeinsamen Einnahme von Alkohol und Tramadol kann jedoch ganz verschiedene Wirkungen erzeugen. Personen, die beide Mittel gleichzeitig einnehmen, müssen außerdem damit rechnen, beide (negativen) Auswirkungen zu spüren. Dazu gehören Lethargie und später eine starke Sedierung. Technisch gesehen ist es das Mischungsverhältnis beider Stoffe, da sie in jedem Fall im gleichen Verhältnis stehen sollten. Bei niedrigen Dosen von Tramadol, das mit Alkohol vermischt eingenommen wird, soll es den Organismus stimulieren und stärken. Trotz allem raten Ärzte dringend davon ab, selbst kleine Mengen beider Wirkstoffe zu mischen.

Einer Langzeitstudie zufolge mixen viele Jugendliche Tramadol mit Alkohol, um einen Rausch zu verspüren. Zwischen 2006 und 2018 setzen immer mehr Jugendliche Tramadol als Rauschmittel ein. Dabei ist die Anzahl der männlichen Jugendlichen von 1,6 % auf 4,5 % gestiegen und hat sich damit in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum mehr als verdreifacht. Bei den weiblichen Jugendlichen ist eine dauerhafte Steigerung jedoch nicht zu erkennen. Lagen sie 1998 mit 4,8 % noch vor den Jungen, danach ist der Trend bis einschließlich 2014 wieder abgeflacht. Heute gleichen sich die Geschlechter an – mittlerweile probiert jeder 20. Jugendliche Tramadol zu Rauschzwecken aus.

Die Nebenwirkungen eines Mischkonsums verstärken sämtliche auftretende Symptome einer reinen Tramadol-Sucht noch zusätzlich. Zugleich spielt auch der gesundheitliche Zustand vor der Einnahme von Tramal eine große Rolle, da sich körperliche und/oder geistige Vorerkrankungen negativ auf den menschlichen Organismus auswirken. Mit den folgenden Nebenwirkungen sind zu rechnen:

  • Beeinträchtigung der Konzentration
  • Störungen des Magen-Darm-Traktes
  • Benommenheit und Sedierung
  • Atemstillstand bei Überdosierung von Tramadol
  • Kopfschmerzen 
  • Hyperventilation
  • Krämpfe und epileptische Anfälle
  • Mehrstündiger Gedächtnisverlust

Neben Schmerzmitteln, Antidepressiva, Beruhigungs- und Schlafmitteln können sich auch andere Medikamente negativ auf die Erkrankung auswirken. Dabei können die Symptome besonders schwer ausfallen, dass es zu einer Atemdepression oder einem Verlust der Wahrnehmungsfähigkeit. Zudem verlieren die Konsumenten die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen.

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