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Bearbeitet & klinisch überprüft vom THE BALANCE Team
Fakten geprüft

Obwohl Depressionen als Volkskrankheit gelten, bleibt eine sehr hohe Anzahl von Erkrankungen unentdeckt. Man geht sogar von ca. 50 % nicht erkannten Depressionserkrankungen aus. Das liegt meist daran, dass Depressionen ja Symptome aufweisen, die nicht exklusiv für Depressionen gelten. Beispielsweise können Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen genauso wie extreme Müdigkeit auf sehr viele Erkrankungen zurückzuführen sein. Weil Betroffene häufig weder sich selbst noch Dritten gegenüber zugeben möchten, dass Sie an einer Depression leiden, verschweigen Sie vielleicht auch Ihrem behandelnden Arzt wichtige weitere Symptome, die ihm aber helfen könnten, auf die Diagnose “Depression” zu kommen.

So werden vielfach Schmerzen oder körperliche Symptome über längere Zeit therapiert und behandelt, ohne dass diese Beschwerden körperliche bzw. organische Ursachen haben. Von der Entstehung einer Depression bis zur Diagnose ist es oft ein sehr langer Weg. Viele Depressionen werden nie also solche erkannt. Sind Depressionen erst einmal diagnostiziert, sind diese in der Regel ganz gut zu behandeln. 

Person, die allein auf den Felsen vor dem Meer steht.

Wie empfindet und erlebt ein Mensch mit einer depressiven Erkrankungen seinen Tag und seine Krankheit? Viele Betroffene beschreiben Ihre Empfindungen so: 

Jeder Tag, jeder Morgen ist ein neuer Kraftakt. Allein aus dem Bett heraus aufzustehen und den Tag zu beginnen kann wie ein unüberwindliches Hindernis erscheinen. Einfachste Alltagsaktivitäten erscheinen so schwer dass man sich kaum dazu aufraffen kann. Einige Betroffene berichten sogar dass über den notwendigen Gang zur Toilette stundenlang nachgedacht wird bis endlich die Kraft dazu gefunden wird. 

Nichts macht mehr Spaß, nichts ist mehr wichtig oder von Interesse. Gerade der zuletzt genannte Verlust an Freude und Interesse ist das häufigste Symptom von typischen Depressionen. Dem Betroffenen kann auch die Mimik des Gesichts schwer fallen, also zum Beispiel ein Lächeln zu zeigen wird zu Qual. 

Speziale Kontakte mit Familie, Freuden oder Kollegen sind eine Last und man versucht diesen aus dem Weg zu gehen. Man fühlt sich hilflos immer wiederkehrenden Wellen von negativen Gedanken und Gefühlen ausgesetzt. 

Rat und Tipps die wohlmeinende Freude geben (Du musst mal raus an die frische Luft, Fahr doch mit dem Fahrrad) kann manchmal gar nicht richtig erfasst oder verstanden werden – oder wird als Kritik und Druck aufgefasst der die Niedergeschlagenheit nur noch verstärkt oder dazu führt dass sozialen Kontakten mehr und mehr ausgewichen wird. 

Wichtig ist, dass Freunde und Familie liebevoll und geduldig bleiben und mehr zuhören als reden aber wenn erforderlich ermuntern und dabei helfen fachliche Hilfe zu erhalten. 

Wie erfolgt die Diagnose? 

Die Basis für eine Diagnose ist die Anamnese, Befunderhebung und Untersuchung. 

Hierfür ist ausreichend Zeit für ein ausführliches Arzt-Patienten Gespräch erforderlich. Dies ist gleichzeitig der wichtigste Baustein der Diagnose. Der Arzt muss auch die Vorgeschichte und genauen Umstände der Belastungssituationen, die zur Depression geführt haben, kennen und verstehen. Manche Erkrankte sind gar nicht gleich bereit oder noch nicht dazu in der Lage solche Gespräche zu führen. Was kann hier Abhilfe schaffen? Hierfür haben sich zwei Methoden sehr gut bewährt. Zum einen können für die Befunderhebung und Anamnese standardisierte Fragebögen eingesetzt werden. Außerdem können Angehörige in die Befragung einbezogen werden. Es kann natürlich sein, dass der Erkrankte dies nicht wünscht und darauf sollte dann auch Rücksicht genommen werden, es sei denn es liegt ein ernster Notfall vor, wie zum Beispiel ein Suizidversuch. 

Was ist eine kognitive Verhaltenstherapie?

Ein Betroffener muss aber auch immer körperlich, neurologisch und internistisch untersucht werden. Warum? Es müssen ja im Rahmen der Diagnose unbedingt organische Grunderkrankungen ausgeschlossen werden. Eigentlich spiegelt sich hier das Diagnoseverfahren des Hausarztes. Der Hausarzt wird also bei der Diagnose von vermeintlichen körperlichen Erkrankungen eine Depression ausschließen, damit er zum Beispiel nicht körperliche Symptome auf klassische Weise behandelt, obwohl die gar keine organischen Ursachen haben. Der Psychiater wird in umgekehrter Weise bei der Diagnose einer Verdachtsfalls einer depressiven Erkrankung – organische Erkrankungen ausschließen. 

Es muss also um jeden Preis eine organische Krankheit ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome aufweisen könnte.

Beispiele für organische Krankheiten, die Symptome aufweisen, die auch bei Depressionen auftreten könnten:

  • Hirntumore
  • Demenzerkrankung (bei älteren Patienten in Bezug auf Vergesslichkeit) 
  • Hirnhautentzündung
  • Epilepsie 
  • Migräne
  • Morbus Parkinson
  • Schilddrüsenerkrankung

Außerdem wird ein Arzt oder Psychiater noch seine Diagnose gegen andere mögliche psychische Krankheitsbilder abgrenzen. Immerhin gibt es auch hier einige sich überschneidende Symptome, wenngleich die Behandlung aber unterschiedlich ist. 

Depressionen haben zwar insgesamt in den letzten Jahren vermutlich kaum zugenommen, jedoch werden häufiger Depressionen diagnostiziert. Die Aufklärung und die Einordnung der Depression als eine Krankheit, die Menschen jeden Alters, jeder Klasse und jeden Geschlechts gleichermaßen treffen kann und darf – führt heute auch zu einem offeneren Umgang mit der Diagnose. 

Da Depressionen nur eine von vielen psychischen Erkrankungen sind, wird nur ein Facharzt oder Psychiater zweifelsfrei und sicher eine Depression diagnostizieren. Ohnehin ist es ratsam bei einer Depression professionelle Hilfe zu suchen. Es kann gar nicht oft genug wiederholt werden. Je früher eine Depression erkannt und behandelt wird, desto milder ist der Verlauf und desto schneller kann sie überwunden und geheilt werden.

Der Psychiater oder Facharzt sind in der Lage zu erkennen, ob es sich um eine echte Depression handelt und auch den Grad der Schwere beurteilen. Welche Signale könnten auf eine depressive Phase hindeuten?

Hier einige denkbare Frühwarnzeichen:

  • Antriebslosigkeit, Müdigkeit oder Niedergeschlagenheit
  • Schlafstörungen (mehr oder weniger Schlaf)
  • Interesse an Dingen, die früher wichtig und lieb waren
  • vermindertes Leistungsvermögen, Vergesslichkeit, Konzentration fällt schwer
  • innere Unruhe, auftretende Ängste, schnell reizbar (Männer), schnell weinen (Frauen)
  • sexuelles Interesse ist vermindert oder fehlt

Führer wurde für eine Diagnose eher auf den möglichen Ursprung einer Depression gesehen. Heute stehen bei der Diagnose und Klassifizierung jedoch die konkreten Symptome, die Dauer und die daraus resultierenden konkreten Einschränkungen im Focus der Untersuchung und Anamnese. 

Eine klinische Depression wird nach heutigen Methoden demnach dann diagnostiziert, wenn mindestens 5 der folgenden Symptome während einer einzigen 2-Wochen Periode bestehen, die Leistungsfähigkeit deutlich verändert ist, mindestens eines der Symptome (A) Depressive Verstimmung oder (B) Verlust von Interesse bzw. Freude ist. 

  1. Depressive Verstimmung an fast allen Tagen während der meisten Zeit des Tages (fühlt sich tief traurig, oder fühlt leere, neigt zum Weinen, Kinder oder Jugendlichen sind in schnell reizbarer Stimmung)
  2. deutlich vermindertes Interesse oder Freude an fast allen Aktivitäten, fast alle Tage und die meiste Zeit des Tages, 
  3. deutlicher Gewichtsverlust obwohl keine DIÄT, alternativ auch Zunahmen an Gewicht
  4. Schlaflosigkeit (Einschlaf-, Durchschlafprobleme, oder vermehrter Schlaf jeweils an fast allen Tagen) 
  5.  innere Unruhe oder psychomotorische Verlangsamung an fast allen Tagen
  6. Müdigkeit und Energieverlust an fast allen Tagen
  7. Gefühle der Wertlosigkeit oder unangemessene übertriebene Schuldgefühle an fast allen Tagen
  8. Verminderte Fähigkeit zu denken, sich zu konzentrieren, verminderte Entscheidungsfähigkeit an fast allen Tagen
  9. Immer wiederkehrende Gedanken an den Tod, häufige Wiederkehr von Suizidvorstellungen (kein Plan), in einigen Fällen vielleicht auch Planung und Suizidversuch

Es muss unbedingt in Differenzialdiagnostik ausgeschlossen werden, dass nicht ein Medikamentenmissbrauch (Drogen, Medikamente), eine Krankheit oder eine echte einfache Trauer vorliegt. Auch muss das Vorliegen einer gemischten (manisch und depressiv) bipolaren Episode ausgeschlossen werden. Und außerdem sollten für die klinische Diagnose “Depression” auch die Leiden und Beeinträchtigungen im sozialen, privaten und beruflichen Umfeld angemessen stark sein.

Wie erfolgt die Diagnose? 

Die Basis für eine Diagnose ist die Anamnese, Befunderhebung und Untersuchung. 

Hierfür ist ausreichend Zeit für ein ausführliches Arzt-Patienten Gespräch erforderlich. Dies ist gleichzeitig der wichtigste Baustein der Diagnose. Der Arzt muss auch die Vorgeschichte und genauen Umstände der Belastungssituationen, die zur Depression geführt haben, kennen und verstehen. Manche Erkrankte sind gar nicht gleich bereit oder noch nicht dazu in der Lage solche Gespräche zu führen. Was kann hier Abhilfe schaffen? Hierfür haben sich zwei Methoden sehr gut bewährt. Zum einen können für die Befunderhebung und Anamnese standardisierte Fragebögen eingesetzt werden. Außerdem können Angehörige in die Befragung einbezogen werden. Es kann natürlich sein, dass der Erkrankte dies nicht wünscht und darauf sollte dann auch Rücksicht genommen werden, es sei denn es liegt ein ernster Notfall vor, wie zum Beispiel ein Suizidversuch. 

Ein Betroffener muss aber auch immer körperlich, neurologisch und internistisch untersucht werden. Warum? Es müssen ja im Rahmen der Diagnose unbedingt organische Grunderkrankungen ausgeschlossen werden. Eigentlich spiegelt sich hier das Diagnoseverfahren des Hausarztes. Der Hausarzt wird also bei der Diagnose von vermeintlichen körperlichen Erkrankungen eine Depression ausschließen, damit er zum Beispiel nicht körperliche Symptome auf klassische Weise behandelt, obwohl die gar keine organischen Ursachen haben. Der Psychiater wird in umgekehrter Weise bei der Diagnose einer Verdachtsfalls einer depressiven Erkrankung – organische Erkrankungen ausschließen. 

Es muss also um jeden Preis eine organische Krankheit ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome aufweisen könnte.

Beispiele für organische Krankheiten, die Symptome aufweisen, die auch bei Depressionen auftreten könnten:

  • Hirntumore
  • Demenzerkrankung (bei älteren Patienten in Bezug auf Vergesslichkeit) 
  • Hirnhautentzündung
  • Epilepsie 
  • Migräne
  • Morbus Parkinson
  • Schilddrüsenerkrankung

Außerdem wird ein Arzt oder Psychiater noch seine Diagnose gegen andere mögliche psychische Krankheitsbilder abgrenzen. Immerhin gibt es auch hier einige sich überschneidende Symptome, wenngleich die Behandlung aber unterschiedlich ist. 

Die akute Phase einer Depression dauert meist 6 bis 12 Wochen an. Fünfzehn bis zwanzig Prozent der Verläufe dauern bis 12 Monate. Obwohl einige Betroffene schon nach einigen Tagen einer Behandlung deutlich eine Verbesserung spüren, ist es wichtig zu akzeptieren, dass Zeit nötig ist und man sich auch diese Zeit geben muss um die Behandlung vollständig abzuschließen.

Wie wirkt sich eine ambulante oder stationäre Behandlung auf die Dauer und den Verlauf aus? Eine Episode einer unbehandelten Depressionen dauert in der Regel 6 bis 12 Monate. Mit Unterstützung einer Behandlung kann die Dauer um etwa 3 Monate verkürzt werden. Was aber noch wichtiger ist, eine Behandlung wirkt sich wesentlich auf die Intensität der Depression aus. 

Etwa 50% der Betroffenen erleben mindestens eine weitere Phase einer Depression. Es gibt keine Methode um die Zeitspanne zwischen der ersten Episode und einer weiteren Phase vorauszuplanen. Monate, Jahre oder sogar jahrzehnte später kann ein Betroffener wieder eine Phase erleben. 

In etwas 10% der Erkrankten entwickeln eine chronische Depression. Man spricht von einer chronischen Depression wenn der Zustand mehr als 2 Jahre anhält. Auch wenn im Verlauf immer wieder Phasen von Wohlbefinden auftreten. 

Die verschiedenen Phasen des Verlaufs werden mit entsprechenden Therapien begleitet. In der Akuten Phase erfolgt die Akuttherapie die die extremen Beschwerden lindert und eine Verbesserung, wenn auch in kleinen Schritten erzielen soll. In der Remissionsphase wird die Erhaltungstherapie angewandt. Ziel ist, zu erreichen, dass die Beschwerden vollständig abklingen und den Zustand der voranschreitenden Besserung zu erhalten. Es wird nach der Phase der Remission oft empfohlen die Behandlung fortzuführen, vielleicht sogar 1 bis 2 Jahre. So kann ein Rückfall vermieden werden,. 

Ein frühzeitiges Gegensteuern könnte helfen, den Prozess der Entstehung einer Depression aus einer andauernden Niedergeschlagenheit oder Belastungssituation heraus,  zu vermeiden oder zu dämpfen. 

Um nicht Missverstanden zu werden: Nicht eine Depression kann und sollte man versuchen selbst zu behandeln. Man kann jedoch den Verlauf beeinflussen, der zu einer Depression hinführt und Maßnahmen ergreifen bevor sich eine andauernde schlechte Stimmung oder Belastungssituation verfestigt. Was kann man also tun? Einige Möglichkeiten sind unter anderem:

  1. Sitzen Sie eine anhaltende, nicht richtig begründbare Traurigkeit nicht aus und warten Sie nicht, bis diese von selbst verschwindet. 

→ suchen Sie in einer solchen Phase so schnell wie möglich nach Strategien, Verhaltensänderungen, Orten, Tätigkeiten, die Ihnen guttun und helfen neue Energie zu sammeln. 

→ Bauen Sie in Ihren Alltag so viel wie möglich Bewegung ein. Setzen Sie dem negativen Grübeln im Kopf physische Bewegung und sogar physische Anstrengung entgegen. 

  1. Tageslicht und Sonne. Einerseits synchronisiert Tageslicht die innere Uhr des Körpers, die bei depressiven Erkrankungen auch durcheinanderkommen kann – aber auch andere körperlichen Prozesse sprechen positiv auf Tages- und Sonnenlicht an. 
  2. Soziales Umfeld: Planen Sie in ihrem Alltag regelmäßig Gespräche oder gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie. 
  3. Erlernen Sie eine zu Ihnen passende Entspannungsmethode. Das kann Autogenes Training sein, Meditation oder Yoga. Vielleicht gelingt es Ihnen aber auch bei klassischer Musik oder einer anderen Methode zu einer tiefen inneren Entspannung zu finden. Praktizieren Sie das regelmäßig. 
  4. Routine und Rituale: Schaffen Sie für sich tägliche neue Rituale, die Ihnen guttun. Die tägliche Wiederholung schafft ihnen wieder etwas mehr Selbstsicherheit und Stabilität. 

Tipp: Sollten Sie gerade an Depressionen leiden oder in einer andauernden negativen Stimmung sein, erinnern Sie sich an 3 Dinge die ihnen normalerweise gut tun. Vielleicht ein Lieblingsfilm? Ein Buch? Musik? Oder ein besonderes Eis? Warum nicht sich selbst einmal wieder etwas gutes tun. Wählen Sie also etwas aus und versuchen Sie zu genießen.

Jetzt der nächste Schritt. Plane feste Tage in der Woche ein um mit bestimmten Freunden zu sprechen, Fahrrad zu fahren oder etwas anderes zu tun dass gut tut. Übrigens auch wenn zur Zeit das Gespräch mit einer Freundin oder einem Freund unangenehm ist oder der Gedanke das Fahrrad aus dem Keller zu holen keine Freude auslöst  – machen Sie es trotzdem. Experimentieren Sie und analysieren Sie später was wirklich gut getan hat. Vielleicht fällt es schwer zum Telefon zu greifen und anzurufen. Also beginnen Sie mit SMS, dann mit Sprachnachrichten und später erst können Sie direkt mit einem Angehörigen oder Freund/in sprechen. Entdecken Sie den Wert der kleinen Schritte. Natürlich können Sie am Anfang Kontakte mit Personen mit denen es oft und leicht zu Konflikten oder Diskussionen führt, erst mal meiden oder eben auf SMS oder Sprachnachrichten begrenzen.

Außerdem könnten sie damit beginnen zu erlernen Ihre Gedanken und Gefühle zu “beobachten”. In einer Depression können ja Gedanken und Gefühle derart überwältigend sein, dass alles Denken blockiert oder verlangsamt wird und auch Bewegungen unmöglich oder extrem schwer erscheinen und auch sind. Manche empfinden wie eine Welle die sich anbahnt und sie überrollt während sie sich dieser hilflos ausgeliefert fühlen. 

Ein Ziel könnte sein, das Entstehen und sich Entwickeln von Gefühlen und Gedanken von außen zu beobachten. Hören Sie zum Beispiel nach dem Auffwachen oder bei einer anderen Situation einmal in sich hinein. Was fühlen Sie jetzt und was denken Sie jetzt? Die Technik die man erlernen kann ist jetzt, anstelle einen Gedanken “weiterzugehen” diesen Gedenken oder auch das Gefühl nur zu beobachten…. Also sozusagen wie ein Standbild zu erzeugen und dieses anzuschauen… Die Konzentration liegt dabei darauf zu erfahren, wie ist es jetzt gerade zu diesem Gedanken oder Gefühl gekommen. Mehr erstmal nicht. Wichtig ist, dass man bei diesen Übungen erlernt eine zweite Perspektive (die wir alle haben), nämlich die Beobachter Rolle, häufiger einzunehmen als die Opfer-Rolle (also Opfer der Welle die ungebeten auf uns zukommt). Dieser Text hier ersetzt natürlich kein Fachbuch, Seminar oder den Rat eines Experten sondern gibt nur Anregungen was man tun könnte. 

Was aber, wenn ein Betroffener jetzt sagt: “Ich kann das nicht.”, Bei mir funktionieren solche Übungen nicht”. Vielleicht ist dann die Phase einer tiefen Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und depressiven Stimmung schon vorangeschritten und eine depressive Erkrankung liegt vor. Was nun?

Verschieden Gründe sprechen dafür, bei einem Verdacht auf eine depressive Erkrankung unverzüglich professionelle Hilfe zu suchen, also zu einem Arzt oder Psychiater zu gehen. 

  • Es ist eine sehr ernsthafte Erkrankung und eine hohe Zahl führt jedes Jahr zu einem Suizid(-versuch) 
  • Bei schneller Behandlung kann sich die Dauer und der Grad der Depression enorm verkürzen
  • bei professioneller Therapie kann in vielen Fällen die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung gesenkt werden
  • es müssen unbedingt andere mögliche organische Erkrankungen ausgeschlossen werden

Viele depressive Erkrankungen machen zumindest einen kurzzeitigen Aufenthalt in einer Facheinrichtung erforderlich. Leider sind Therapieplätze für stationäre oder ambulante Psychotherapie knapp und manchmal kann es Monate dauern bis ein Therapieplatz frei wird. Mit etwas Nachdruck und wenn man sich nicht abschütteln lässt, kann man aber vielerorts als Notfall aufgenommen werden. Der Hausarzt oder auch Familienangehörige und Freunde müssen hier natürlich die aktive Rolle übernehmen, da ein Betroffener ja kaum selbst dazu in der Lage sein wird, mit Kliniken um eine beschleunigte Aufnahmen zu verhandeln. 

Welche Behandlungsmethoden gibt es und was kann damit erreicht werden?

Die Behandlung erfolgt in der Regel in einem dem Grad der Erkrankung angepassten Verhältnis von Psychotherapie und Medikamentengabe. Bei bestimmten Ausprägungen von Depressionen wird der Hausarzt oder Psychiater zu dem Schluss kommen, dass der erste Teil der Behandlung einen klinischen Aufenthalt erfordert. Vielfach wird die Behandlung noch um eine spezielle Verhaltenstherapie ergänzt. Immerhin sollen ja neue Verhaltensmuster erlernt werden, die verhindern sollen, dass der Patient künftig wieder eine Depression erfährt. Eine Reihe von zusätzlichen Therapien und Verfahren kommt begleitend zum Einsatz. Zu erwähnen sind Entspannungsmethoden wie autogenes Training, die Biofeedback-Therapie, die sensibilisieren soll den eigenen Körper wahrzunehmen oder auch Licht-Therapie. Eine Änderung des Lebensstil, der Essgewohnheiten, Bewegung und Sport werden im Rahmen der Therapie gern empfohlen und umgesetzt. 

Was passiert bei der Psychotherapie?

Die Psychotherapie ist ein zentrales Element der Behandlung und kann dem Betroffenen aus dem emotionalen Tief seiner Depression heraushelfen. Es wird aber gleichzeitig das Ziel verfolgt, dem Erkrankten zu helfen, einer erneuten Episode vorzubeugen. Der Patient lernt zu verstehen, welche Situation bei ihm Stress oder negative Gefühle auslösen und warum. Es werden neue Verhaltensmuster und Strategien vermittelt, erprobt und erlernt, die helfen können negative Gedanken zu vermeiden oder besser einzuordnen.  Die Therapie kann ambulant oder in einer Klinik erfolgen. Die Dauer eines klinischen Aufenthaltes kann je nach Schwere und Art der Depression von 1 Tag bis mehrere Monate angeraten und auch notwendig sein. Auch hier gilt, je früher fachliche Hilfe gesucht wird, desto kürzer der Aufenthalt oder auch desto weniger ambulante Sitzungen sind erforderlich. Die positive Nachricht bleibt, die Chancen auf eine vollständige Heilung sind gut. 

Der Psychiater oder Psychotherapeut wird in vielen Fällen parallel zur Gesprächstherapie auch Medikamente verordnen und diese in sein Therapiekonzept integrieren. Warum? Medikamente können die aktuell noch ablaufende Phase lindern. Dadurch spricht der Betroffene viel schneller und besser auf die Therapie an. Außerdem gibt es Medikamente, die den Schlafrhythmus stabilisieren sowie Stimmung und Antrieb positiv beeinflussen.

Es wurden zum Beispiel in vielen Fällen gute Erfahrung mit der Gabe von Lithium gemacht. Das Medikament kann die Stimmung stabilisieren. Immerhin sprechen ca. ⅔ der Betroffenen auf das Mittel an, davon kommt die Erkrankung bei ⅓ sogar zum Stillstand. Allerdings muss Lithium durchgehend und regelmäßig eingenommen werden und dabei auch auf die genau richtige Dosis muss geachtet werden. Solange jemand noch durch die Depression eingeschränkt ist und zum Beispiel auch unter Vergesslichkeit leidet, könnte das zu Problemen führen. Geringe Nebenwirkungen könnten auftreten und sollten mit dem behandelten Arzt besprochen werden, bevor man selbst das Medikament absetzt. 

Zur Stimmungsstabilisierung können auch in einer depressiven Phase Antidepressiva verschrieben werden. 

Es gibt aber auch Therapien ohne Medikamentengabe. Sport und Bewegungstherapie, aber auch die Elektrokrampftherapie oder Wachtherapie sowie kontrollierter Schlafentzug wird gelegentlich eingesetzt. Wichtig ist immer, dass solche Therapien immer unter ständiger ärztlicher Aufsicht erfolgen. Bei jeder Therapie wird das Ziel verfolgt, die Stimmung des Betroffenen zu verbessern bzw. aufzuhellen. Die angeführte Elektrokonvulsionstherapie wird bei besonders therapieresistenten und schweren Depression gelegentlich eingesetzt. Dabei wird unter Narkose mit wenigen Sekunden andauernden Stromimpulsen eine kurzzeitige neuronale Übererregung im Gehirn ausgelöst. Die Behandlung dauert etwa 30 Sekunden und wird mit Abständen von 2 bis 3 Tagen 8 bis 12 Mal wiederholt. 

Eine depressive Erkrankung kann nicht allein mit natürlichen Heilmitteln behandelt werden. Man kann aber positiv Einwirken “bevor” aus einer lange andauernden niedergeschlagenen Stimmung eine Depression entsteht, oder die Behandlung mit natürlichen Mitteln unterstützen (idealerweise in Absprache mit dem Arzt). Betroffene mit immer wiederkehrenden depressiven Episoden können den Zeitraum zwischen den Phasen mit vielleicht mit natürlichen Mitteln oder Behandlungsmethoden verlängern und in seiner belastenden Auswirkung mindern.

Einige haben positiv über angstlösende und stimmungsaufhellende Pflanzenextrakte berichtet.

Johanniskraut ist wohl das bekannteste Mittel, dass gegen depressive Stimmungen genommen wird. Bitte beachten Sie folgende wichtige Hinweise hierzu: 

  • Die Wirkung von Johanniskraut setzt meist erst nach 2-3 Wochen ein
  • Wenn zeitgleich eine Behandlung durch einen Arzt mit Medikamenten erfolgt müssen Sie die Einnahme unbedingt absprechen. Warum? Weil einige Johanniskraut Präparate in Wechselwirkung mit Medikamenten treten können die sich negativ auf den Behandlungsverlauf auswirken könnten. 

Darüber hinaus können Sie die Heilung einer depressiven Stimmung oder einer Depression auf natürliche Weise positiv unterstützen. Wie?

  • Viele Bewegung an der frischen Luft
  • Setzen Sie sich Tageslicht und wenn möglich Sonnenlicht aus
  • Treiben Sie Sport, setzen sie der psychischen Belastung eine körperliche Belastung entgegen