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Bearbeitet & klinisch überprüft vom THE BALANCE Team
Fakten geprüft

Es gibt derzeit zwar keinen einzigen Test zur eindeutigen Diagnose von ADHS, die sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung wird jedoch bereits seit beinahe 30 Jahren intensiv untersucht und die Ärzte verlassen sich auf mehrere Dinge:

  • Gespräche mit Bezugspersonen
  • Verhaltensbeobachtung 
  • Fragebögen oder Bewertungsskalen, welche die ADHS-Symptome  herausstellen
  • Psychologische Tests
  • Blutuntersuchungen und Gehirnwellentests

Für den Arzt ist es wichtig dabei herauszufinden, wie sehr die Symptome der betroffenen Person die tägliche Stimmung, das Verhalten, die Produktivität und Lebensgewohnheiten beeinflussen. Außerdem müssen andere Krankheiten ausgeschlossen werden.

ADHS ist neurobiologische Auffälligkeit, bei der aufgrund von Durchblutungsstörungen im Vorderlappen des Gehirns die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin zu früh abgebaut werden, was zu einem gestörten Neurotransmitterhaushalt führt und zum Beispiel den Anstieg des Stresshormons Cortisol verursacht. Die Betroffenen sind demnach mehr gestresst und weniger motiviert. Die typischen Symptome sind Impulskontrollstörung, Hyperaktivität und Konzentrationsprobleme. Man spricht jedoch erst dann von einer Störung oder psychischen Krankheit, wenn die Lebensqualität der Betroffenen durch die ADHS-Symptome stark eingeschränkt wird. 

Burnout-Test Deutschland

Um die 8 Prozent der Kinder weltweit werden mit der Diagnose ADHS geboren. Die Krankheit ist vererblich, für die Entstehung kommen jedoch weitere Risikofaktoren hinzu, welche die Störung begünstigen. Bei 60 % der ADHS-Erwachsenen bestehen weiterhin die Symptome. Im Erwachsenenalter liegt mehrheitlich die Mischform von ADHS vor. 

Um ADHS zu diagnostizieren, beziehen sich Ärzte in der Regel auf die folgenden drei Gruppen:

  • ADHS vorwiegend unaufmerksame Präsentation, auch ADS oder stilles ADHS genannt
  • ADHS vorwiegend hyperaktive Präsentation
  • ADHS kombinierte Präsentation 

Unaufmerksamer Typ

Bezeichnung: Vorwiegend unaufmerksame Präsentation von ADHS, ADS oder stilles ADHS 

Die betroffene Person sollte mindestens 6 der genannten Symptome aufweisen, die bereits in der Kindheit (spätestens mit 7 Jahren) bestanden. Es ist nicht selten, dass auch ein paar Symptome des hyperaktiv-impulsiven Typs verzeichnet werden:

  • Verzettelt sich in Details
  • Flüchtigkeitsfehler
  • Kann sich nicht auf eine Sache konzentrieren, erledigt alles zur Hälfte
  • Hört nicht zu
  • Ruhig 
  • Verträumt
  • Hat Probleme Anweisungen korrekt auszuführen
  • Verpasst oft wichtige Details
  • Schnell beleidigt

Probleme beim Organisieren von Aufgaben oder Aktivitäten:

  • Vermeidet oder mag es nicht, Dinge zu tun, die Anstrengung oder Konzentration erfordern
  • Verliert oder vergisst Dinge
  • Leicht ablenkbar

Hyperaktiv-Impulsiver Typ

Bezeichnungen: Vorwiegend hyperaktiv-impulsive Präsentation von ADHS

Der Betroffene hat mindestens 6 der erwähnten Symptome und auch Symptome des ADS-Typs:

  • Unruhiges Sitzen, Beine überkreuzen, an den Fingernägeln kauen oder mit den Haaren spielen
  • Häufiges Aufstehen 
  • Probleme sich leise zu verhalten
  • Erhöhte Aktivität: Wie „von einem Motor angetrieben.“
  • Häufiges Hereinreden 
  • Unüberlegtes Reden
  • Mit der Antwort herausplatzen, bevor die Frage vollständig ausgesprochen wurde
  • Ungeduld und Probleme zu warten, bis man an der Reihe ist
  • Fühlt sich schnell gereizt

Kombinierter Typ 

Bezeichnung: Kombinierte Präsentation von ADHS (hyperaktiv-impulsiv und unaufmerksam

Dies ist die häufigste Form von ADHS bei Kindern und vor allen Dingen bei Erwachsen. Menschen mit dieser Form leiden an Symptomen der Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität sowie Impulsivität.

Es wichtig einen Arzt zu wählen, der sich mit der Krankheit auskennt und schon einige Jahre mit ADHS-Patienten arbeitet. Geeignete Ansprechpartner sind Psychotherapeuten oder Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie.

Kriterien zur ADHS-Diagnose

  • Die Symptome sind bereits vor dem 7. Lebensjahr aufgetreten.
  • Die Symptome treten über einen längeren Zeitraum von mindestens 6 Monaten ständig auf und tragen zu Problemen in allen Bereichen des Lebens bei. 

ADS-Test Jugendliche und Erwachsene

Der ADHS Test beim Arzt wird durchgeführt, um andere Krankheiten auszuschließen. Die im Kindesalter beginnende ADHS macht nämlich anfällig für psychische Störungen. 4 von 10 ADHS Betroffenen sind laut medizinischer Statistik bereits in Behandlung wegen einer anderen psychischen Störung, wie Depression und Borderline. Nur 1 von 10 wird davon auch auf ADHS behandelt

  • Ganzkörperuntersuchung, sowie Hör-, Seh- und Sprachtest: Um bei Kindern auszuschließen, dass ein anderer Schaden vorliegt, sollten diverse Gesundheitschecks durchgeführt werden.
  • Bluttest, bei dem der Gehalt von Umweltgiften, wie Blei, Aluminium oder Quecksilber im Blut angezeigt wird. Außerdem wird aus dem Blutbild ersichtlich, ob andere Krankheiten, wie z. B. eine Schilddrüsenerkrankung vorliegen
  • EEG-Gehirnwellentests: Der Anteil bestimmter Gehirnwellen ist bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS tendenziell höher. Außerdem kann der Frontalbereich des Gehirns bei ADHS schlechter durchblutet sein. Der Scan ist für die Verwendung bei Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren zugelassen, soll jedoch als Teil einer vollständigen medizinischen und psychologischen Untersuchung verwendet werden
  • CT-Scan (Computertomografie) oder MRT (Magnetresonanztherapie): Hier wird überprüft, ob Gehirn – Anomalien vorliegen.

Diagnose durch Gespräche mit Bezugspersonen

Bei Kindern wird der Arzt mit den Eltern über die beobachteten ADHS-Symptome sprechen, um den genauen Beginn der Symptome herauszustellen. Es ist möglich, dass der Arzt Verhaltensberichte der Lehrer, Zeugnisse und Beispiele von Schulaufgaben sehen möchte.

Ein ADHS-Erwachsene-Test bedarf ebenfalls der Aussage von Bezugspersonen, die das Verhalten des Betroffenen beschreiben. Die Mutter, Ehepartner, Arbeitskollegen, Freunde oder Bruder der erwachsenen Person können sicherlich Auskunft geben.

Spezifische ADHS Bewertungsskala für Kinder

Die einzelnen Tests werden oft in Kombination durchgeführt, um ein eindeutigeres Ergebnis zu erhalten. Es gibt eine Reihe von Bewertungsskalen, die von Lehrern, Erziehern und Ärzten verwendet werden:

  1. Die Vanderbilt-Psychotherapie-Skala: Dieses 55-Fragen-Bewertungstool überprüft die Symptome von ADHS in Kombination mit anderem psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen und Angststörungen. Der Test ist für Kinder im Grundschulalter geeignet. Ein Lehrer oder die Eltern führen den Test durch.
  2. Conners-Bewertungsskalen: Dies ist ein Fragebogen, der z.B. das Verhalten und die Leistung in der Schule, bei der Arbeit und im sozialen Leben abfragt. Dabei wird deutlich, ob und wie sich diese Symptome auf Dinge wie Noten, Job, Privatleben und Beziehungen auswirken. Zielgruppe sind Kindern zwischen 2 bis 18 Jahren. Der Test wird von Lehrern, Eltern und sogar von den Betroffenen selbst durchgeführt.
  3. Verhaltensbewertungssystem für Kinder (BASC 3): Dieser Test sucht nach Dingen wie Hyperaktivität, Aggression und Verhaltensproblemen. Es sucht auch nach Angstzuständen, Depressionen, Aufmerksamkeits- und Lernproblemen und dem Mangel an bestimmten sozialen Fähigkeiten.
  4. Checkliste zum Verhalten von Kindern/Lehrerberichtsformular (CBCL). Bei diesem Bewertungssystem werden unter anderem körperliche Beschwerden, aggressives Verhalten und Rückzug bewertet.

ADHS Test für Erwachsene

Seit 15 Jahren beschäftigt man sich in Deutschland besonders mit ADHS, doch vorher untersuchte man Kinder nicht nach dieser Krankheit. Daher kann es sein, dass viele Erwachsene unter der Störung leiden. Nicht selten wird die Störung mit Stress, Depression oder anderen psychischen Störung verwechselt und bleibt dadurch unerkannt. 

Menschen mit ADS-Symptomen haben in Regel Probleme mit der geringen Aufmerksamkeitsspanne und dies schon seit der Kindheit. Diese Menschen sind durchaus in der Lage ihre Symptome in einem Selbst-Test zu erkennen. 

Wenn es jedoch um den hyperaktiven-impulsiven Typ geht, dann macht ein Selbst-Test eventuell keinen Sinn. Die Betroffenen sind sich oft gar nicht über ihr Verhalten im Klaren und schätzen sich nicht als auffällig ein. In diesem Fall ist das Befragen von Familie, Bezugspersonen und Partner sinnvoller.

  • ADHS-Fragen beantworten: Hier geht es zum Online ADHS-Erwachsene Test, bei dem sechs Fragen, die aus einem professionellen, amerikanischen ADHS-Test mit der Abkürzung ASRS v1.1 entnommen wurden. Der Test wurde übrigens im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Ronald C. Kessler und Kollegen entwickelt.
  • ADHS-Erwachsene Test für Konzentration: Diesem ADHS-Konzentrationstest haben 4500 Teilnehmer teilgenommen und an der Validierung mitgewirkt. Der kostenlose Online-Konzentrationstest zeigt, wie es um die Schnelligkeit, Arbeitsleistung und Konzentration geht. 

ADS ist die verhaltensunauffällige Unterform von ADHS, von der besonders Mädchen und erwachsene Frauen betroffen sind. Hier leiden die Betroffenen seit ihrer Kindheit an Unaufmerksamkeit und Unkonzentriertheit. Es kommen jedoch auch Nebensymptome, wie impulsives Handeln in Stress-Situationen, schnelles Beleidigtsein und depressive Verstimmung dazu. 

Frauen leiden von Natur aus an Hormonschwankungen, doch wenn sie mit ADHS auf die Welt kommen, dann kann man davon ausgehen, dass sie stärker von Depression und Stimmungsschwankungen betroffen sein können. Wenn bei der Frau das Östrogen im Laufe des weiblichen Zyklus absinkt, dann sind laut medizinischer Statistik die negativen Auswirkungen auf die Stimmung bei ADHS-Frauen erheblich stärker als normalen Frauen. 

Können Sie diese ADS-Fragen mit Ja beantworten?

Dies ist ein Auszug aus einem Fragebogen beim Arzt. In der Regel besteht ein solcher Fragebogen aus 60 Fragen, darunter zum Beispiel:

  • Waren Sie als Kind langsam, schüchtern, verträumt und oft abwesend?
  • Waren Sie ein Träumer oder eine Trödelsuse in der Schule?
  • Hatten Sie häufig Probleme mit Vorgesetzten, Lehrern oder anderen Autoritätspersonen?
  • Ist es für Sie schwer Beziehungen über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten?
  • Hatten Sie als Kind Probleme von anderen akzeptiert zu werden?
  • Wenn Sie sich in einem Raum mit Menschen befinden, sind Sie dann oft überfordert, weil so viele Informationen und Worte auf Sie hereinzuprasseln scheinen?
  • Sind Sie heutzutage zappelig, spielen mit den Haaren oder verknäulen die Beine, wenn Sie längere Zeit mit Menschen zusammensitzen?
  • Werden Sie schnell nervös?
  • Hatten Sie häufig im Jugendalter Unfälle oder haben durch Ungeschicklichkeit Dinge kaputt gemacht?
  • Waren Sie als Kind sehr empfindlich und kränkbar?
  • Verlieren Sie öfter den Überblick?
  • Obwohl Sie genau arbeiten, machen Sie Flüchtigkeitsfehler (Büroarbeit)?
  • Haben Sie Suchtprobleme? Kaffee, Tee und Nikotin sind hier auch gemeint.
  • Leiden oder litten Sie unter starken Stimmungsschwankungen?
  • Lassen Sie sich leicht ablenken?
  • Können Sie unter Stress schnell die Fassung verlieren?
  • Springen beim Nachdenken Ihre Gedanken sehr?
  • Hatten Sie im Leben häufig das Gefühl zu kurz zu kommen und unfair behandelt zu werden?
  • Haben Sie ein geringes Selbstwertgefühl und zweifeln häufig an sich selbst?
  • Fällt es Ihnen schwer sich in andere hineinzuversetzen?
  • Sind Sie leicht ablenkbar?
  • Haben Sie als Kind Schwierigkeiten in der Schule gehabt, was ihre Konzentration und Aufmerksamkeit angeht?
  • Haben und hatten Sie eine unleserliche Schrift?
  • Sind Sie  bei der Arbeit häufig langsamer und umständlicher als Ihre Kollegen?
  • Hatten Sie in der Kindheit spezielle Probleme mit Rechnen, Schreiben oder Lesen?
  • Bekommen Sie manchmal wichtige Sachen überhaupt nicht mit, obwohl Sie sich auf das Gespräch konzentrieren?
  • Fällt es Ihnen schwer Anweisungen korrekt auszuführen, weil sie Wichtiges nicht mitbekommen?

Wenn der Arzt eine ADHS-Diagnose stellt, ist es wichtig, die Behandlung in jedem Fall in Angriff zu nehmen und zu verfolgen. Der Arzt verschreibt in der Regel Medikamente wie Ritalin und verordnet eine Verhaltenstherapie zusammen mit Patienten-Coaching. Diese Behandlungsmethoden können die Symptome lindern und die Behandlung von ADHS erleichtern.

ADS-Therapie bei Schulkindern 

Je früher die Behandlung durchgeführt wird, desto höher wird die Lebensqualität dieser Person sein. So die Behandlung so früh wie möglich begonnen werden, und zwar wenn das Kind noch in der Grundschule oder im Kindergarten ist. Auf diese Weise läuft es nicht in Gefahr den Anschluss zu verlieren. 

Das Kind wird durch die ADHS-Behandlung wahrscheinlich in der Lage sein, eine ordentliche Ausbildung zu machen und im weiteren Leben seine Lebenszufriedenheit zu erlangen. Menschen, die an einer unbehandelten ADHS leiden, erleben täglich Einschränkungen, was die innere Unruhe, Unkonzentriertheit, eingeschränkte eigene Leistung und die impulsive Verhaltensweise angeht. 

ADHS – Behandlung bei Erwachsenen

Viele Betroffene waren nie in Behandlung, da sie davon ausgingen, dass sie einfach so sind, wie sie sind. Das ist eine Norm, die man selbst nicht infrage stellt. Diese Menschen haben die Anpassungsleistung ohne alles geschafft! 

Extreme sportliche Betätigung zur Kompensation stellt bei vielen ADS-lern eine gute Lösung dar. Es geht darum, auf natürliche Weise den Dopamin- und Noradrenalin-Spiegel anzuheben und die Durchblutung anzukurbeln. 

Wenn die Betroffenen jedoch stark in ihrer Leistungsfähigkeit auf der Arbeit eingeschränkt sind, Probleme im Bereich sozialer Beziehungen haben und in Stress-Situationen die Nerven verlieren, dann sollte eine Behandlung erfolgen. 

Bei Erwachsenen, die starke Symptome aufweisen, sollte der Arzt immer untersuchen, ob eine weitere psychische Erkrankung vorliegt. So haben viele Erwachsene mit ADHS im Laufe ihres Lebens eine zusätzliche psychische Folgeerkrankung, wie zum Beispiel Depression, Burnout, Suchtkrankheit oder Angststörung entwickelt.